Das Buch, dass in den
 MLM hineinsehen läßt



 ... 1.000 Menschen
   sind nicht genug

Interview

Der geliehene Traum
Ein Interview mit dem Autor


Ein paar Fragen an Uwe Sonnabend zu Amway:

"Amway ist für uns aus heutiger Sicht keine berufliche Perspektive mehr..."

Im Amway-Geschäft werden Menschen in die Position von Unternehmern gezwängt. Menschen die aus Handwerks- und Angestellenberufen stammen, sollen über Nacht selbständig denken und handeln. Diese Tätigkeit erfüllen sie aus dem Bauch heraus, niemand hat diesen Job gelernt.
Als Grundlage dienen lediglich Motivationsseminare, die wiederum in den Köpfen von Leuten entstanden sind, die mit diesen Seminaren Millionen umsetzen. Diese Seminare haben keinen Ausbildungswert, sie dienen lediglich dazu die innere Einstellung der Teilnehmer zu ändern.

Neue Berater bringen den Umsatz. Die alten Hasen haben ihren Haushalt schon lange auf Amwayprodukte umgestellt. Auch der Bekanntenkreis ist mit den Produkten ausgestattet. Sicher geht mal ein Ofenreiniger, ein oder zwei Lippenstifte oder Nagellack an die Nachbarin. Doch mit diesen Verkäufen ist für den einzelnen kein Geschäft zu machen.
Neue Berater bieten hier ein optimales Verkaufspotential. Ihre Haushalte sind noch frei von Amwayprodukten und deren Bekannte werden auch das ein oder andere Produkt bestellen.
Die Handelsspanne ist zweitrangig. Auf persönlich verkaufte Waren erhält der Berater zwar 30% Handelsspanne, aber wer knöpft die seinen Bekannten schon ab, vor allem weil die Einkaufspreise schon einen wesentlich zu hohen Eindruck machen? Auf den Eigenverbrauch 30% gespart? Wer rechnet sich das aus oder legt das so "ersparte" Geld beiseite?
Es geht um den Bonus nach der Bonustabelle. 10 neue Berater in der Organisation bringen ca. 5.000 Euro neuen Umsatz nach den vorher geschilderten Prinzip. Selbst wenn alle zehn wieder aufhören, die 5.000 Euro Umsatz bleiben den Oberen in der Organisation und der Bonus wird denen ausgezahlt. Nächsten Monat sind es vielleicht 15 neue Berater...

"Wenn bei den einzelnen die Einsicht kommt mit Amway nicht erfolgreich zu werden, ist das Geschäft für die Oberen schon gelaufen!"

"Gibt es Gründe Amway zu machen?"

Die gibt es sicherlich. Welche dies sind sollte jeder für sich selbst entscheiden. Wie viele Menschen sind in Vereinen organisiert? Alleine die Tatsache, das es Millionen sind, ist ein Argument für Amway. Es entstehen in diesem Geschäft eine Vielzahl sozialer Kontakte. Ohne Zweifel macht es auch Spaß sich die Zukunft auf der Leinwand anzusehen, von tollen Häusern, Urlaub und Autos zu träumen. Mit einer Direktberaternadel am Jackett werden sie bewundert und geehrt. Als Sprecher stehen Sie im Mittelpunkt von hunderten von Zuhörern die mit Applaus nicht sparsam sind. Sie können sich als Sprecher auf den großen Seminaren qualifizieren aber auch Zuhause mit eigenen Gruppentreffen in den Mittelpunkt stellen.
Wer das nicht will ist wenigstens mit dabei. Es kümmert sich jemand um Sie, vergißt Sie nicht zu fragen ob Sie Zeit haben. Erkundigt sich nach Ihren Terminen und hört Ihnen zu warum es beim sponsern nicht geklappt hat, was sie vielleicht für eine persönliche Sponserstrategie entwickelt haben oder welche Eigenschaften Sie an dem oder jenem Produkt besonders gut finden.
Tja, Sie werden in ein soziales Umfeld der Amway-Berater integriert. Für manchen besser, als alleine Zuhause zu sitzen. Aber Sie dürfen nicht vergessen: Ohne Umsatz und ohne Sponsoraktivitäten sitzen Sie auch bei Amway bald alleine am Tisch. Sie sollten schon dafür sorgen Interessant zu bleiben.

"1.000 - 3.000 Euro nebenberuflich verdienen sind eine verlockende Perspektive!"

Ohne Zweifel! Mit Amway ist es nachweislich möglich Geld zu verdienen. Auch 5.000 Euro und mehr sind drin.
Leider gehen die Menschen von falschen Voraussetzungen aus. Da gibt es einen Marketingplan mit ein paar Kreisen: "der sponsert zwei und jeder von denen wieder zwei..."
Dieser Plan hat nur auf dem Papier seine Gültigkeit. Um 1.000 oder 3.000 EUR zu verdienen, müssen weit mehr Menschen in das Geschäft gebracht werden als der Marketingplan beispielhaft vortäuscht. Nicht jeder macht 200 oder 500 EUR Umsatz und sponsert zwei Leute von denen jeder wieder zwei sponsert. Hier wird bewußt beschönigt. Der Sponsor oder Direktberater weiß ganz genau das dieser vorgestellte Plan nur Theorie ist. Fairnesshalber sollte ich aber dazusagen, das sich wohl niemand sponsern lassen würde, wenn beim ersten Gespräch schon mit der Wahrheit herausgerückt werden würde, was wiederum zur Folge hätte, daß Amway nicht funktionieren würde.
Zudem sind die Einnahmen zu versteuern, bzw. die Unkosten zu decken die mit dem Geschäft entstehen. Nicht zu vergessen ist, daß, sollten Sie dieses Geschäft hauptberuflich betreiben, auch eine private Krankenversicherung zu bezahlen ist und die Altersversorgung nicht auf der Hoffnung "Amway" basieren sollte.
Gehen Sie einmal davon aus, dass Sie im Jahr höchstens einen neuen Aktiven dazu sponsern. Bald werden Sie feststellen, dass auch dies gar nicht so einfach ist. Das schaffen nicht einmal mehr die Oberen. Was meinen Sie wie lange Sie brauchen um 3.000 Euro zu verdienen?

Da schwanke ich schon sehr zwischen Ja und Nein. Diese Art der Tätigkeit ist schon sehr speziell im privatem Bereich angesiedelt. Beruf muß ja nicht unbedingt gleich Geldverdienen sein obwohl man das automatisch in Verbindung bringt. Wenn Beruf und Geldverdienen zusammengehören, dann würde ich eher dazu neigen Amway als Hobby zu deklarieren, mit der Option eines Tages sogar damit Geld verdienen zu können. Um Geld zu verdienen muss diese Tätigkeit jedoch erlernt werden. Einfach ein paar Leute sponsern, damit ist es nicht getan. Manche sind dazu geboren und haben es gleich drauf, andere lernen es nie - das ist m.E. aber ganz normal. Amwayberater benötigen kein Fachwissen oder handwerkliche Fähigkeiten, sondern lediglich eine hohe Überzeugungskraft. Ob sie diese auch in anderen Sparten als Amway besitzen, wage ich zu bezweifeln.

"Bei der Frage ob Amway ein Beruf ist schwanke ich schon sehr zwischen Ja und Nein"

Reue ist das falsche Wort. Es war eine tolle, kreative und ereignisreiche Zeit. Wir haben viele, viele Menschen kennengelernt und dabei festgestellt, wie zerbrechlich so manche sind, ja, daß sogar Menschen mit einer starken Aura sich nur hinter einer Fassade verstecken. Bestimmt war diese Zeit auch für unseren weiteren Lebensweg prägend. Reue betrifft nur das Vertrauen in die Oberen. Unserem DD Schmiedl-Bauer kann ich nur wegen seines Fanatismus noch Verständnis entgegen bringen. Von den engen Geschäftspartnern wurden wir am meisten enttäuscht. Klappte irgendetwas nicht so wie sie wollen, wird man fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Das gilt besonders dann, wenn bereits eine Gruppe besteht die die Linie absichert.

Dieses Geschäft kostete viel Zeit und Geld. Noch viele Jahre danach zahlten wir die Schulden ab. Vielen Leuten in unserer Organisation ging es ähnlich. Wir alle hätten mit der investierten Energie in anderen Bereichen mehr erreichen können. Nennen wir es Einsicht!



"Bereuen Sie Ihre Zeit als Amwayberater?"

Lesen Sie das Buch! Nein, Spaß beiseite. Der Titel sagt einem eigentlich alles zu Amway. Amwayberater verleihen Träume für eine unbestimmte Zeit. Das schlimme am "leihen" ist, man muß es irgendwann zurückgeben. Dann ist man wieder in der realen Welt.
Sicher kann man argumentieren, daß es doch Erfolgreiche gibt. Ja, eine Handvoll, vielleicht ein paar mehr. Rechtfertigt das schon eine Regel zu brechen? Ein paar Erfolgreiche gegen Hunderttausende die nichts verdienen. Ich meine, aus der Erkenntnis läßt sich eher "ein geliehener Traum" ableiten, als immer nur die wenigen Erfolgreichen in den Vordergrund zu schieben. Aber unbestritten: Träume können für ein paar wenige auch in Erfüllung gehen.
Sie werden beim lesen feststellen, daß dieses Buch keinen Feldzug gegen Amway darstellt, auch wenn der Titel dies vermuten läßt. Das Buch lässt dem Leser die Entscheidung zu Amway offen, obwohl es die erste Euphorie wohl etwas dämpfen wird. Es ist eine wahre Geschichte die sich so wie ich schreibe auch zugetragen hat. Jeder der da etwas anderes behauptet lügt. Aus den Geschehnissen kann sich jeder selbst ein Urteil bilden.

"Wie ist Ihr Buchtitel "Der geliehene Traum" zu verstehen - ist das ein Feldzug gegen Amway?"

Wenn man die Beraterzahlen der letzten Jahre betrachtet müßte man sagen: Amway zerbricht. Immerhin gibt es z.Zt. "nur" noch 85.000 Berater (wobei ich keine glaubwürdigen Zahlen mehr finde). Verglichen mit den Zahlen Mitte 80 ist das nichts mehr. Doch wer behauptet das Amway in Deutschland keine Chancen hat, der kennt die hartnäckigen in diesem Geschäft nicht. Die leben und sterben irgendwann auch für Amway.
Es wird auch immer Menschen geben die den Traum vom Geld, vom angenehmen Leben träumen. Darunter sind viele die gar keine Alternative zu diesem Geschäft haben. Die Voraussetzungen um mitzumachen sind Null, jeder kann mitmachen, jeder kann erfolgreich werden. Dieser Slogan wird alle Tiefen in Deutschland überstehen. Amway wird wieder wachsen und eines Tages wieder zusammenbrechen - dann geht´s halt von vorne los...

Geben
Sie Amway für die Zukunft eine Chance?

"Kann man Ihre Erfahrungen auf andere Direktvertriebssysteme projizieren?"

Ich bin, nur weil ich Amway gemacht habe, kein MLM-Spezialist. Sicher werden an mich viele Erlebnisse und Geschichten aus anderen Strukturvertrieben herangetragen. Ich bin der Meinung, es gibt schlimmeres als Amway, aber von der Grundfunktion sind die mir bekannten Vertriebssysteme doch recht ähnlich. Meine Geschichte wird sich so oder ähnlich auch in anderen Vertrieben abspielen.

Der Vergleich mit den Zeugen Jehovas ist schon angebracht.
Die versprechen das ewige Leben und bei Amway wird man reich und erfolgreich. Beide Systeme glauben den richtigen Weg gefunden zu haben um Menschen glücklich zu machen.
In beiden Systemen sitzen in der Pyramide ganz oben Menschen, die den unteren sagen wie sie sich verhalten müssen um das Ziel zu erreichen.
Beide Gruppen müssen ihr Leben völlig umstellen, es folgt eine kritiklose Gehorsamkeit. Beide folgen einem Traum, einem Ziel das sie wahrscheinlich nie erreichen. Alle Erlebnisse, Erfahrungen und Gespräche mit "Nichtgläubigen" werden in der Gruppe erörtert und dem eigenen Vorstellungen hingehend interpretiert. So sind ungläubige bei den Zeugen halt vom Satan besessen, bei Amway sind es die Menschen die im Leben immer nur verlieren werden. Gleichzeitig werden Strategien überlegt, wie man den oder diejenige doch noch auf seine Seite herüberziehen könnte.
Das schlimme an solchen Organisationen ist doch, dass sie keine Verantwortung für ihr Heilversprechen übernehmen. Wenn die Welt jetzt doch nicht wie prophezeit untergeht - dann hat man halt Pech gehabt.
Bei Amway ist man am Ende selber Schuld. Am System liegt es mit Sicherheit nicht. Kein Mensch stellt sich hin und gibt zu, dass er sich getäuscht hat, mit dem was er anderen Menschen verkündete. Selbst wenn er das macht, in Ordnung bringt er es nicht mehr.

"Wenn Sie Amway mit den Zeugen Jehovas vergleichen sind sie ganz dicht dran!"

... wenn die Welt nicht untergeht hat man halt Pech gehabt ...