Das Buch, dass in den
 MLM hineinsehen läßt



 ... 1.000 Menschen
   sind nicht genug

Anlage 2

Sehr geehrter Herr Sonnabend,

es ist schon hart, wie das Schicksal mit manchen Menschen umgeht. Aber es ist richtig schlimm, wenn manche Menschen selbstverschuldete Schwierigkeiten immer ihrem Schicksal oder, noch schlimmer, anderen Menschen anlasten.

Ich habe Ihr Buch gelesen, weil mich einer unserer Berater darauf aufmerksam gemacht hat und ich schreibe Ihnen diesen Brief in der Hoffnung, dass Sie ihn auf Ihrer Website veröffentlichen, damit Überleger in diesem Geschäft die Chance haben, auch mal eine andere, durchaus objektivere Sicht der Dinge zu erfahren.

Ich möchte voran stellen, dass eine ganze Menge in Ihrem Buch sicher der Wahrheit entspricht, der Rest sicherlich Ihrer persönlichen Wahrheit und ich habe durchaus ein gewisses Verständnis für Ihre Frustration. Allerdings fallen mir doch eine ganze Reihe von Ungereimtheiten auf, die ich hier gerne einmal ansprechen würde:

Warum veröffentlichen Sie das Buch eigentlich erst fast 15 Jahre nach den Geschehnissen, können sich aber in vielen Dingen anscheinend noch Wort für Wort an alles erinnern? Gespräche mit anderen Geschäftspartnern, Reden in Obsteig und natürlich Ihre eigenen Reden bei vielen Gelegenheiten geben sie wörtlich wieder. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass in unserem Geschäft die meisten Reden nicht Wort für Wort abgelesen werden.

Ist Ihnen eigentlich während Ihrer Tätigkeit in Ihrem Geschäft, oder wenigstens in den langen Jahren danach, nie der Gedanke gekommen, dass Sie ganz persönlich jede Menge Fehler gemacht haben, dass Ihnen Ihr ganz persönlicher Glanz immer wichtiger war, als ein reelles, auf Umsatz basierendes Geschäft? Waren Sie wirklich jemals auch nur annähernd daran interessiert, Ihre Geschäftspartner anständig und langfristig zum Erfolg zu führen?

Ist Ihnen jemals die Idee gekommen, dass Sie eigentlich von Anfang an durch das Schieben von Umsätzen innerhalb der Gruppe, durch schlampige Abrechnung und völlig fehlende Buchhaltung sämtliche Grundsätze eines ehrenwerten Kaufmanns unbeachtet ließen? Sie können froh sein, dass Sie dafür nicht angeklagt wurden. (Oder ist das der Grund, warum Ihr Buch so spät erscheint, jetzt wo alles verjährt ist?)

Ist Ihnen vielleicht mal durch den Kopf gegangen, dass Sie zu Beginn Ihrer Tätigkeit recht unreif waren und diese Tatsache lange in der Gruppe verdecken konnten? Streng gesehen sind Sie wohl ein ziemlicher Blender gewesen und das fällt immer irgendwann auf. Oder warum stellten Sie sofort Ihr Leben völlig um, setzen ein Kind in die Welt, lassen Ihre Frau zuhause, schmeißen mehr oder weniger Ihren Job mutwillig hin, kaufen sich sofort ein dickes Auto und das alles, ohne eigentlich wirklich Geld zu verdienen?

Ich bestreite ja nicht, dass zu Ihrer Zeit in diesem Geschäft jede Menge Leute schwerwiegende Fehler gemacht haben, einschließlich des Herstellers Amway. Aber ist das ein Grund, alles mitzumachen? Handeln Sie denn heute mit Drogen, nur weil es viele andere tun und sogar richtig reich damit werden? (Womit ich keinerlei Networkmarketing oder Sie persönlich und schon gar nicht Amway in die Nähe von Drogenhändlern stellen will)

Ich will nicht sämtliche Punkte in diesem Brief im Detail ansprechen, da wird es sonst zu aufwändig, aber einige Dinge, die geändert wurden und auch einige, die sich leider noch nicht geändert haben, will ich noch kurz ansprechen:

Zum Einen zeigt Ihr Buch sehr gut, wie wichtig es gerade im Multi-Level-Marketing ist, dass alle Führungskräfte verantwortlich, und zwar rein geschäftlich, aber auch vor allem menschlich, handeln, dass sie sich dieser Verantwortung bewusst sind und diese auch wirklich Leben. Da ist zu Ihrer Zeit vieles im Argen gewesen und die ein oder andere Führungskraft sollte da sicher auch heute noch drüber nachdenken.

Zum Anderen hat Amway aus der Vergangenheit viel gelernt. Schiebereien wie sie zu Ihrer Zeit gang und gäbe waren sind abgestellt. Die Ware kommt direkt vom Hersteller, Zahlungen gehen direkt dorthin und auch die gesamte Bonusabrechnung wird zentral von dort gemacht. So sind weder Mogeleien möglich, noch muss jeder Berater sich mit diesen ganzen Schreibarbeiten beschäftigen. Er kann sich voll und ganz auf sein Geschäft konzentrieren.

Und damit wären wir schon beim wichtigsten Punkt, dem eigentlichen Geschäft: Ich entnehme Ihrem Buch, dass Sie bis heute nicht verstanden haben, was das Ziel in einem Geschäft, auch in diesem, eigentlich ist. Unser ganzes Ziel ist es, gute Produkte auf eine etwas vom Standardweg abweichende Art zu vertreiben. Das gleiche machen hunderttausende von Firmen in der ganzen Welt und immer wird Geld verdient und kein Mensch regt sich drüber auf. Der Unterschied bei uns ist, dass der angeschlossene Berater mitverdienen kann, was ihm Firmen wie Henkel, Metro oder Aldi eben nicht ermöglichen. Warum haben Sie etwas dagegen, dass fleißige Geschäftsleute, die eine große Vertriebsorganisation aufgebaut haben, auch ein ordentliches Geld verdienen? Neiden Sie den Gebrüdern Albrecht oder der Familie Schickedanz genauso ihren Erfolg? Glauben Sie denn im Ernst, denen ist der Erfolg in 3 Jahren in den Schoss gefallen?

Warum behaupten Sie am Ende Ihres Buches, es könnten eh nur wenige Kronenbotschafter werden und deswegen sei das Geschäft unreell? Wissen Sie eigentlich, wie viele Sportler ihre Sportart beginnen, weil sie irgendwann Olympiasieger werden wollen? Und wie viele davon werden es? Ich bin der Meinung, es ist für einen Durchschnittsbürger immer noch einfacher, Kronenbotschafter zu werden, als Olympiasieger im Skifliegen oder über 100 Meter. Aber völlig unabhängig davon: Wer in diesem Geschäft Geld verdienen will, muss ja nicht erst Kronenbotschafter werden, ein stabiles Founders Rubinvolumen tut es ja auch schon.

Abschließend noch kurz etwas zu Ihrer Rechnung, viele Berater würden ja nichts oder nur wenig verdienen und es gäbe keine Wachstumschance: Sie unterschlagen völlig, dass natürlich wahnsinnig viele Berater nichts bestellen oder nur Ihren Eigenbedarf und den nicht komplett. Dieser Zustand ist natürlich für einen Geschäftsmann unbefriedigend, belegt aber, dass gerade hier sehr viel Wachstumspotential steckt und dass es wirklich stimmt, wenn Amway behauptet, kein Berater ist zu irgendeiner Abnahme verpflichtet. Unser Potential ist riesig, sehen Sie sich nur mal die Umsätze und Gewinne von Henkel mit seinen Waschmitteln an. Es liegt also an uns Geschäftsleuten, Umsätze zu steigern, Anteile von anderen Wettbewerbern zu holen und damit unser eigenes Geschäft, unsere Zukunft zu gestalten. Genau dies haben Sie bis heute nicht verstanden. (Ihre heutigen Tätigkeiten mögen Sie vielleicht nach außen befriedigen, aber erklären Sie einem EDV-Dozenten und Microsoft Certified Trainer bitte nicht, diese Einnahmequelle sei sicher und man könne garantiert davon leben), sonst würden Sie Ihre (auch schlechten) Erfahrungen heute nutzen und sich eine zweite Zukunft nebenberuflich aufbauen, ohne Flausen im Kopf und ohne gleich alles andere hinzuwerfen.

Übrigens: Ich selbst kenne viele der Personen aus Ihrem Buch persönlich, kenne viele ihrer Stärken, aber auch einige Schwächen schon seit ca. 10 Jahren, habe dieses Geschäft auch durch Trennung von meiner Frau vor rund 4 Jahren aufgegeben und beginne jetzt trotzdem wieder unter Ausnutzung meiner Erfahrungen. Auch ich habe eine ganze Reihe Fehler gemacht, werde diese aber jetzt vermeiden und habe meinen ganz eigenen Stil in diesem Geschäft gefunden, unabhängig von meinen EDC-Diamanten Peter und Ingrid. Und Albert hat übrigens seinen Händedruck mittlerweile auch halbwegs menschlich gestaltet. Sie sehen, alle können dazu lernen.

Ich hoffe, Sie veröffentlichen diesen Brief komplett, auch gerne mit vollem Namen und freue mich auf eine weitere Diskussion.

Mit freundlichem Gruß

Jürgen Hofacker

Antwortschreiben zum Leserbrief:
Sehr geehrter Herr Hofacker,

ich freue mich über jedes Schreiben zum Thema Direktvertrieb, insbesondere wenn es mein Buch "Der geliehene Traum" betrifft.
Gleich im ersten Absatz benutzen Sie ein ganz entscheidendes Wort: "Selbstverschuldet".
Genau da liegt einer meiner Hauptkritikpunkte.
Aber erst zu den von Ihnen aufgezeigten Ungereimtheiten.

Ich begann mit dem Schreiben an diesem Buch etwa 3 Jahre nach unserer aktiven Zeit. Als "Bodo" seinen Sponsertermin hatte, stand bereits ein Rohgerüst und es gab eine Datenbank, in der chronologisch alle Termine, Aktionen und Umsätze gespeichert waren. Die Daten hierzu stammen überwiegend aus unseren Terminkalendern und zahlreichen Aufzeichnungen auf Papier- und Audiokassetten.
Bei diesem "Rohentwurf" stand noch nicht fest, dass dieses Buch jemals veröffentlicht werden wird. 1990 bis Ende 1992 besuchte ich bundesweit zahlreiche Lehrgänge. Ich nahm mir einen PC mit auf das Hotelzimmer und überarbeitete die ganze Story. Jetzt mit der Absicht, diese einem Verlag anzubieten. Ich verschickte einige Manuskripte, aber die Resonanz war ernüchternd. Erst 1998, beim 2. Anlauf fand sich ein Verlag, den diese Geschichte interessierte. So kam dieses Buch erst 1999 auf den Markt. Aber um Ihnen dennoch ein wenig entgegen zu kommen: Nicht alle in Anfühungszeichen gesetzten Sätze sind wortgetreu übernommen. Sie wurden entsprechend gekürzt und in Leseform gebracht.

Einen ganz interessanten Punkt sprechen Sie selbst an:
Ihr O.T.: "Ist Ihnen jemals die Idee gekommen, dass Sie eigentlich von Anfang an durch das Schieben von Ums
ä
tzen innerhalb der Gruppe, durch schlampige Abrechnung und völlig fehlende Buchhaltung sämtliche Grundsätze eines ehrenwerten Kaufmanns unbeachtet ließen? Sie können froh sein, dass Sie dafür nicht angeklagt wurden. (Oder ist das der Grund, warum Ihr Buch so spät erscheint, jetzt wo alles verjährt ist?)"

"Die Grundsätze eines ehrenwerten Kaufmanns"? - wie viele haben Sie gesponsert, die diese Grundsätze kennen? Sie sponsern doch jeden, aus jeder Branche mit oder ohne Grundsätze. Jetzt sagen Sie mir im nachhinein, dass ich froh sein soll nicht angeklagt zu werden. Sagen Sie das auch einem Neuen?

Wo bleibt die Ausbildung im Amway-Geschäft? Das ist schon sehr einfach: Einen Arbeiter sponsern und wenn er was falsch macht wird er angeklagt. Wissen Sie wie viel Geld wir für Schulungen ausgegeben haben? Da war nichts außer Motivation und tausend Geschichten wie toll alle ihr Geschäft aufbauen. Und jetzt zu meinem eingangs erwähnten Wort: "Selbstverschuldet"! Sie machen es sich zu einfach. Klappt es nicht oder kommt jemand in Schwierigkeiten so hat er es halt selbstverschuldet.

Noch ein Zitat:
O.T. " Ist Ihnen vielleicht mal durch den Kopf gegangen, dass Sie zu Beginn Ihrer T
ä
tigkeit recht unreif waren und diese Tatsache lange in der Gruppe verdecken konnten?"

Ja, genau das ist der Punkt!
Hat hier nicht jemand eine Chance gesehen um zu sponsern? Wollen Sie den Namen wissen? Wo bleibt die Verantwortung der Sponsoren? Unreif - Verzeihung, daran ist man ja selber schuld. Denken Sie an dieser Stelle bitte selber nach, Sie sparen mir damit viele Zeilen Text. H
ä
tte ich die nötige Reife gehabt, ich versichere Ihnen, ich hätte dieses Geschäft wohl nicht begonnen. Ich habe mich von den "Erfolgreichen" überzeugen lassen.

Wenn Sie schreiben ich setze ein Kind in die Welt, schmeiße die Arbeit hin usw. dann haben Sie wohl auch gelesen wie sehr ich an dieses Geschäft glaubte, wie sehr ich den Menschen vertraute die mir sagten "du schaffst das". Für mich wurde bald die Amwayidee zu meinem pers. Erfolgsrezept. Jetzt sagen Sie zu mir: "Halt, Du unreifer Träumer, hast du den Schmarrn etwa geglaubt? Um Gottes willen, so war das doch nicht gemeint!" Da standen doch Müller-Meerkatz, Schleipfer, Schwarz und hundert andere mit einem 12 Stufenplan, mit Plänen wie man in 2-3 Jahren Kronenbotschafter werden kann. Wo waren Leute wie Sie, die mir sagten "Moment!, Du bist doch völlig unreif, das stimmt doch alles nicht - gehe lieber in die Arbeit, dort verdienst Du wenigsten deinen Lebensunterhalt." Doch, diese Stimmen gab es auch. Es waren diejenigen die dieses Geschäft nicht gemacht haben. Aber auf die sollte ich doch nicht hören!

Ihr Vergleich mit Drogenhändlern hinkt ein wenig. Jedes Kind weiß, dass Drogen illegal sind, Amway, wurde mir tausendfach erklärt, sei nicht illegal. Das ist eine ganz andere Basis. Sehen Sie, ich habe mich für den vermeintlich legalen Weg entschieden - selbst wenn ich im nachhinein riskierte angeklagt zu werden. Ich versichere Ihnen, ich wollte den legalen Weg gehen.

Ihre Einsicht, dass Führungskräfte im MLM Verantwortung tragen ist lobenswert. Doch wie werden die ihrer Verantwortung gerecht? Wenn es brenzlig wird machen sie sich aus dem Staub. Wo waren diese Führungskräfte in unserer schweren Zeit? Sie taten damals nichts und tun es auch heute nicht.

Ich zähle mich, ob es Ihnen gefällt oder nicht, zu den Führungskräften der früheren Jahren. Was kann ich tun um wieder gut zu machen? Ich fand keinen anderen Weg als zu schreiben und zu erklären. Ich möchte, dass jeder die Chance bekommt, neben seinem Sponsor, DD oder Diamanten auch die andere Seite kennen zu lernen. Menschen wie Sie werden das schon aushalten und wenn Sie Ihre Gruppe mit Maß und Ziel führen wird diese auch den Unterschied zu diesem Buch feststellen.

Sie haben sich mit Ihrem Mail viel Mühe gegeben, deshalb nehme ich mir auch die Zeit auf die anderen Punkte einzugehen.

Ihr wichtigster Punkt. Der Vertrieb der Produkte.
Sie behaupten, ich h
ä
tte bis heute nicht verstanden was das Ziel dieses Geschäftes ist. Haben Sie das Buch nicht richtig gelesen? Ich sage "Umsatz bringt Geld", wir haben sogar die Verkaufsnadeln wieder eingeführt (ganz gegen MM Vorgaben).

Wenn Sie hier Firmen nennen wie Aldi oder Metro dann ist das zu oberflächlich.
Ein Beispiel: Sie kaufen bei Aldi eine Seife für 50 Cent. Richtig, sie verdienen keinen Cent daran. Was kostet bei Ihnen eine Seife? 5 Euro? 7 oder 8 Euro? Gibt es eine Seife für 50 Cent? Nein?

Kommen Sie selber drauf?
O.K. Wenn Sie bei Aldi mitverdienen wollen, dann kostet die Seife halt 5 Euro, daf
ü
r können Sie sich 30% Handelsspanne abziehen, ihre 9% Beraterbonus, ihr DD bekommt noch einmal 12% Differenz, vielleicht sogar 1 % Rubinbonus, der Smaragd oder Diamant xx% bis hinauf zu den KB und nicht zu vergessen: Amway! Es ist Ihr gutes Recht so Ihr Geld auszugeben.

Argumentieren Sie ruhig mit der Qualität. Machen Sie das am besten mit einer alleinerziehenden Mutter, die neben Ihrem Job noch auf 650 Mark Basis putzen geht...

Auch bei Ihrer Sportler-Version kann ich meine Meinung nicht ganz mit der Ihren teilen.
W
ü
rde ich heute ein bekannter Fußballspieler sein, so hätte dieser Erfolg eine lange Vorgeschichte. Meine Eltern würden mich wohl schon in jungen Jahren in diese Richtung fördern. Als Voraussetzung benötige ich aber auch eine ganze Menge.

Würde ich hinken, kämen meine Eltern wohl gar nicht auf eine solche wahnwitzige Idee. In diesem Alter bin ich wohl noch sehr unreif und muß meinen Sponsoren (Eltern, Trainer) bedingungslos glauben. Ich würde wohl ständig auf dem Fußballplatz stehen, immer die Bundesliga vor Augen. Selbst die Schule würde ich vernachlässigen.

Wenn es dann nicht geklappt hat, wer war dann schuld? Würden Sie mir dann auch einen Brief schreiben in dem steht, dass ich froh sein kann nicht angeklagt zu werden? Sehen Sie, so ist das mit der Verantwortung. Bei Amway sind sie selber schuld aber beim Sport würde man in diesem Fall auf die bösen Eltern zeigen.

Wenn Sie behaupten Kronenbotschafter zu werden ist einfacher als ein Star beim Skispringen, dann vermute ich, Sie sind maximal auf dem Erfolgsstand eines 15%ers.

Wenn Sie bei Amway von Wachstumchancen, Wachstumspotential, Umsätzen und Gewinnen sprechen, so reden Sie eigentlich immer nur von Ihrem Bekanntenkreis, von Ihren Beratern und deren Bekannten. All diese Leute sollen für Ihr Wachstum mehr verkaufen, mehr verbrauchen, mehr Leute in dieses Geschäft bringen um Ihren Gewinn zu erhöhen.

Ihr Werkzeug dazu ist Motivation. Sie versprechen Leuten erfolgreich zu werden wenn Sie, wie Sie selbst, mehr Leute in das Geschäft bringen, mehr verkaufen, mehr verbrauchen...

Sie werden mit Amway produktabhängig und verlieren Ihre Neutralität, weil nur das GV stimmen muß und nicht mehr das Produkt. Sie stehen nicht mehr im Wettbewerb mit anderen Anbietern. Deshalb hat dieser Sprachjargon bei Amway eine andere Bedeutung, denn Amway "machen" hat mit freier Marktwirtschaft nicht viel zu tun.

Denken Sie sich das System einmal durch: Alle Erfolgreichen leben von den Wünschen und Zielen, insbesondere aber von den Umsätzen der unteren Reihen (die ja die große Masse darstellt). Wieviel 3%, 6% oder 9%er brauchen Sie in der Organisation eines Diamanten? Dieses Verhältnis wird immer gleich bleiben.

Jeder DD lebt von den "kleinen". Erzählen Sie mir nicht, dass das nicht stimmt. Oder glauben Sie auch an das Märchen, dass jeder DD werden kann? (Wo soll der Umsatz herkommen?)

Ich habe keine Ambitionen irgend jemanden seinen Kronenbotschafterbonus zu finanzieren. Also gehe ich zu Aldi und kaufe meine Seife für 50 Cent.

Da Sie mir in Ihrem Mail aber grundsätzlich den Eindruck vermitten, sie gehen sehr bewusst an diese Geschäft heran, wissen von den Gefahren und den Vorzügen von Amway, ist das Buch eigentlich nicht an Ihre Adresse geschrieben. Vielleicht nur insoweit, dass sie sich daran erinnern, dass Sie es auch mit sehr vielen unreifen, übereifrigen und Nichtkaufleuten zu tun haben, die es bedarf ein wenig auszubremsen.

Vielleicht noch soviel zu den Fehlern der Vergangenheit: Jeder Politiker muss für seine Fehler gerade stehen (ich erwarte es wenigstens). Der Regelfall ist sein Rücktritt vom Amt.

Wie ist das bei Amway? Reicht es hier aus, sich hinzustellen und zu sagen "Ja, wir geben zu Fehler gemacht zu haben"? Diese Fehler waren (um es auf den Punkt zu bringen): "Wir nehmen alle aus, Hauptsache unsere Taschen werden voll." Das haben alle bis zum Exitus getrieben. Jeder war so scharf (und ist es noch) auf seinen pers. Erfolg. Das ein Schmidel oder Holler, ganz zu schweigen von den Oberen, heute noch jemanden in die Augen sehen kann, zeigt mir wie abgebrüht Erfolgswahn machen kann. Aber diese Leute finden immer wieder ihre Bewunderer (Sie sind ein Beispiel). Wissen Sie wodurch die beiden genannten Paare Diamant geworden sind?

Soviel kann ich Ihnen sagen: Wenn Deutschland noch eine Mauer hätte die andere abreißen würden, dann hätten die alten in diesem Geschäft eine reelle Chance KB zu werden.

Vielleicht kommen sie doch zu der Überzeugung, dass ein solches Buch, wie das meine, schon seinen berechtigten Platz hat. Ich versichere Ihnen, es war kein Frust, der mich zu diesem Buch getrieben hat. Auch bin ich keinem Menschen neidig, der mit Amway Erfolg hat. Amway ist eine Verführung bei der man zu schnell Illusionen unterliegt. Wenn ich heute meine Fehler in einem Buch veröffentliche, dann kann dies anderen Menschen niemals schaden, im Gegenteil, es gibt jedem Interessierten die Gelegenheit hinter die tollen Freundschaften, hinter das immense Interesse an seiner Person zu blicken. Vielleicht ist es auch eine Chance von Anfang an ein "ehrenswerter Kaufmann" zu werden.

Uwe Sonnabend